Achtung, habe gerade Folgendes entdeckt, könnte auch in Verbindung mit der Langston-Sache interessant sein:
Bericht des Nantes Journal
Im Folgenden lesen Sie einen Bericht unserer Redakteurin Anais Latrousse. Sie nahm das Wagnis auf sich, die als revolutionär angespriesene Technologie der CellFeeds am eigenen Leib auszuprobieren. Dazu flog sie ins Medical Research Center des CellFeed Herstellers Inport Inc. in Boston, Massachusetts. Sie ließ sich ein Exemplar des Chips implantieren - und verfasste exklusiv für uns einen erstaunlichen Bericht...
"Ja, man könnte sagen sie war jung und brauchte das Geld. Doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Meine Neugier und die Liebe zum investigativen Journalismus veranlassten mich zu gleichen Teilen dazu, den Weg nach Boston auf mich zu nehmen. Zuvor musste ich mich jedoch durch ein Aufnahmeverfahren kämpfen, das in seinem Umfang der Steuererklärung eines mittelständischen Unternehmens gleichkommt. Vorausgesetzt man bringt die Geduld mit, die es zweifellos erfordert, bis man von der Firma grünes Licht bekommt sich überhaupt als Kunde "bewerben" zu dürfen (Geheimhaltungserklärung inklusive). Letzten Endes war der gute Gesundheitszustand und der gesellschaftliche Status meines Alter Ego Juliette Dupuis, die eine Kette von Juweliergeschäften an der Cote d´Azur ihr eigen nennt, ausschlaggebend dafür, dass man mich schlussendlich annahm. Am Medical Research Center angekommen wurde mir zunächst ein überaus exklusiver Empfang samt noch exklusiverem Zimmer bereitet. Die Nacht vor dem Eingriff wurde von den üblichen Verdächtigen heimgesucht, die man in Krankenhäusern so antrifft: Angst, Zweifel und die düstere Vorahnung, dass hinterher nicht mehr alles an Ort und Stelle sitzen könnte. Bemüht darum, ebendiese Atmosphäre gar nicht erst aufkommen zu lassen, glich die gesamte Aufmachung des Etablissements eher einem Hotel als einer medizinischen Einrichtung. Der Eingriff verlief auch ohne jegliche Komplikationen. Doch interessant würde es erst in drei Tagen werden, wenn der Chip nach (hoffentlich) ereignisloser Beobachtungsphase angeschaltet werden würde. Entschieden hatte ich mich für das News-Feed. Und siehe da: Am dritten Tag wachte ich bestinformiert auf. Die Frühstücksnachrichten hinkten meinem Wissen sogar hinterher. Nach vier weiteren Tagen zur Beobachtung wurde ich dann in die rückständige, uninformierte Welt entlassen. Und das ganz ohne Kopfschmerzen! Den Chip im Nacken spürt man bei keiner Bewegung, auch die Nanobots fühlten sich auf Anhieb in meinem Kopf pudelwohl. Soweit so gut. Zu Hause in Nantes angekommen, ließ ich mein geballtes Wissen auf meine Mitmenschen los und studierte deren Reaktionen: Noch nie war Eindruck schinden so einfach. Immer einen Schritt voraus. Problematisch waren eher die Reaktionen der Menschen, mit denen ich täglich zu tun hatte... Mein Lebensgefährte, meine Freunde und auch meine Arbeitskollegen (die als Zeitungsredakteure nun mal davon leben informiert zu sein) reagierten in den unterschiedlichsten Weisen: In meiner Beziehung redete ich meinen genervten Partner an die Wand. Meine Freunde hatten kein Interesse am Tratsch mehr. Das obligatorische "Hey, wusstest du schon, dass..." wurde mir schon gar nicht mehr gestellt. Und bei der Arbeit war mir der Neid aller gewiss. Nach zwei Wochen war mein Privatleben so sehr durcheinander gekommen, dass ich mir überlegte, den Chip ganz abzuschalten. Doch die Sucht nach Input war stärker, auch bei immer wieder auftretenden Ermüdungserscheinungen, ja selbst wenn sich der Chip wegen Überlastung gar selbst abschaltete - ich hing am Tropf dieser heilbringenden Innovation! Nach zweieinhalb Monaten Dauerbetrieb schaffte ich es morgens nicht mehr aus dem Bett. Zur geistigen Ermüdung gesellte sich eine physische Mattheit, die sich mit den Freuden eines ausgewachsenen Burnout-Syndroms vergleichen lässt. Ich war nur noch Kopf, nur noch Empfänger und hätte mich vermutlich bald aufgelöst, wenn mein Lebensgefährte nicht umgehend medizinische Hilfe beansprucht hätte. Der Chip ist mittlerweile deaktiviert, eine zweite Operation konnte ich nicht finanzieren. Schließlich hatte schon der erste Eingriff mit 840.000 Dollar zu Buche geschlagen. Summa summarum kann man der Inport Inc. zugute halten, dass ihr Produkt funktioniert. Aber über die Folgen hat man sich offenbar noch keine allzu große Gedanken gemacht. Mein Rat: Bleiben sie Mensch und lassen sie die Finger weg!"
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