Sonntag
Vernetzung
Beunruhigende Nachrichten haben uns in den letzten Tagen erreicht. Wir haben von Versuchen einer unmittelbaren Vernetzung zwischen Inport-Usern erfahren. Das bedeutet, dass einzelne User zueinander eine Art "Standleitung" aufbauen. Alle Informationen, die in einen der Köpfe gelangen, gelangen zur selben Zeit auch in den anderen Kopf. Ebenso verhält sich das mit Gedankengängen. Sind zwei Menschen miteinander also unmittelbar vernetzt weiß und denkt einer von ihnen zugleich was der andere denkt und weiß.
Ich spreche hierbei nicht vor einer kleinen technischen Neuerung. Dieser Fortschritt bedeutet nicht weniger als die Auflösung des Individuums, wie wir es heute kennen. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn man diese Technik beispielsweise bei einer Armee anwendet!
Es muss Schluss sein, wir müssen Inport stoppen, andernfalls könnten die schlimmsten Zukunftsvisionen Realität werden. Wir halten unsere Ohren offen und bitten jeden, der mit uns Widerstand leisten möchte sich bei uns zu melden.
Montag
Erfahrungsbericht
Achtung, habe gerade Folgendes entdeckt, könnte auch in Verbindung mit der Langston-Sache interessant sein:
Bericht des Nantes Journal
Im Folgenden lesen Sie einen Bericht unserer Redakteurin Anais Latrousse. Sie nahm das Wagnis auf sich, die als revolutionär angespriesene Technologie der CellFeeds am eigenen Leib auszuprobieren. Dazu flog sie ins Medical Research Center des CellFeed Herstellers Inport Inc. in Boston, Massachusetts. Sie ließ sich ein Exemplar des Chips implantieren - und verfasste exklusiv für uns einen erstaunlichen Bericht...
"Ja, man könnte sagen sie war jung und brauchte das Geld. Doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Meine Neugier und die Liebe zum investigativen Journalismus veranlassten mich zu gleichen Teilen dazu, den Weg nach Boston auf mich zu nehmen. Zuvor musste ich mich jedoch durch ein Aufnahmeverfahren kämpfen, das in seinem Umfang der Steuererklärung eines mittelständischen Unternehmens gleichkommt. Vorausgesetzt man bringt die Geduld mit, die es zweifellos erfordert, bis man von der Firma grünes Licht bekommt sich überhaupt als Kunde "bewerben" zu dürfen (Geheimhaltungserklärung inklusive). Letzten Endes war der gute Gesundheitszustand und der gesellschaftliche Status meines Alter Ego Juliette Dupuis, die eine Kette von Juweliergeschäften an der Cote d´Azur ihr eigen nennt, ausschlaggebend dafür, dass man mich schlussendlich annahm. Am Medical Research Center angekommen wurde mir zunächst ein überaus exklusiver Empfang samt noch exklusiverem Zimmer bereitet. Die Nacht vor dem Eingriff wurde von den üblichen Verdächtigen heimgesucht, die man in Krankenhäusern so antrifft: Angst, Zweifel und die düstere Vorahnung, dass hinterher nicht mehr alles an Ort und Stelle sitzen könnte. Bemüht darum, ebendiese Atmosphäre gar nicht erst aufkommen zu lassen, glich die gesamte Aufmachung des Etablissements eher einem Hotel als einer medizinischen Einrichtung. Der Eingriff verlief auch ohne jegliche Komplikationen. Doch interessant würde es erst in drei Tagen werden, wenn der Chip nach (hoffentlich) ereignisloser Beobachtungsphase angeschaltet werden würde. Entschieden hatte ich mich für das News-Feed. Und siehe da: Am dritten Tag wachte ich bestinformiert auf. Die Frühstücksnachrichten hinkten meinem Wissen sogar hinterher. Nach vier weiteren Tagen zur Beobachtung wurde ich dann in die rückständige, uninformierte Welt entlassen. Und das ganz ohne Kopfschmerzen! Den Chip im Nacken spürt man bei keiner Bewegung, auch die Nanobots fühlten sich auf Anhieb in meinem Kopf pudelwohl. Soweit so gut. Zu Hause in Nantes angekommen, ließ ich mein geballtes Wissen auf meine Mitmenschen los und studierte deren Reaktionen: Noch nie war Eindruck schinden so einfach. Immer einen Schritt voraus. Problematisch waren eher die Reaktionen der Menschen, mit denen ich täglich zu tun hatte... Mein Lebensgefährte, meine Freunde und auch meine Arbeitskollegen (die als Zeitungsredakteure nun mal davon leben informiert zu sein) reagierten in den unterschiedlichsten Weisen: In meiner Beziehung redete ich meinen genervten Partner an die Wand. Meine Freunde hatten kein Interesse am Tratsch mehr. Das obligatorische "Hey, wusstest du schon, dass..." wurde mir schon gar nicht mehr gestellt. Und bei der Arbeit war mir der Neid aller gewiss. Nach zwei Wochen war mein Privatleben so sehr durcheinander gekommen, dass ich mir überlegte, den Chip ganz abzuschalten. Doch die Sucht nach Input war stärker, auch bei immer wieder auftretenden Ermüdungserscheinungen, ja selbst wenn sich der Chip wegen Überlastung gar selbst abschaltete - ich hing am Tropf dieser heilbringenden Innovation! Nach zweieinhalb Monaten Dauerbetrieb schaffte ich es morgens nicht mehr aus dem Bett. Zur geistigen Ermüdung gesellte sich eine physische Mattheit, die sich mit den Freuden eines ausgewachsenen Burnout-Syndroms vergleichen lässt. Ich war nur noch Kopf, nur noch Empfänger und hätte mich vermutlich bald aufgelöst, wenn mein Lebensgefährte nicht umgehend medizinische Hilfe beansprucht hätte. Der Chip ist mittlerweile deaktiviert, eine zweite Operation konnte ich nicht finanzieren. Schließlich hatte schon der erste Eingriff mit 840.000 Dollar zu Buche geschlagen. Summa summarum kann man der Inport Inc. zugute halten, dass ihr Produkt funktioniert. Aber über die Folgen hat man sich offenbar noch keine allzu große Gedanken gemacht. Mein Rat: Bleiben sie Mensch und lassen sie die Finger weg!"
Jonathan Langston
Wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, wurde Jonathan Langston vor fünf Tagen tot in seinem Haus aufgefunden. Heute hat die Polizei bekannt gegeben, dass es sich wahrscheinlich um Selbstmord handelt. Die Todesursache war ein Kopfschuss mit einer nichtregistrierten Waffe. Wie die ganze Welt sind auch wir schockiert, dass ein junger Mann auf dem Höhepunkt seiner Karriere plötzlich die Notbremse zieht. Was waren seine Beweggründe? Sicher ist, dass J.L. in letzter Zeit Probleme hatte. Das vor zwei Wochen in diesem Blog veröffentlichte Interview beschreibt seine Rastlosigkeit und Zerissenheit. Obwohl er scheinbar alles besaß, wollte er stets mehr, kam nicht zur Ruhe. War das sein Weg die Stimmen in seinem Kopf zum Schweigen zu bringen? Seine Mutter erklärte jetzt in einem Presseinterview, dass der junge Mann täglich Tabletten gegen seine starken Kopfschmerzen nahm. Sie gibt die Schuld der Inport Inc., die Ihren Sohn "zerstört habe". Die Journalistin, die das besagte letzte Interview für die Vanity Fair geführt hat, gibt an Jonathan keineswegs als lebensmüden Menschen eingeschätzt zu haben. Ein Argument gegen die Selbstmordtheorie? Könnte es vielleicht doch Fremdeinwirkung gegeben haben, ein eifersüchtiger Konkurrent oder gar jemand aus dem Kreis um die Inport Inc., weil Jonathan sich in seinen Ansichten zunehmend kritischer geäußert hat? Man kann um diese Frage nur spekulieren, aber wir werden die nächsten Tage die Augen und Ohren offen halten. Wir sollten in Gedanken vor allem bei seinen Verwandten und Freunden sein, die einen schrecklichen Verlust ertragen müssen.
Donnerstag
Was wurde eigentlich aus Johnathan Langston?
Hier ist ein interessanter Artikel aus der Vanity Fair vom 18.11.2008
Es dauert relativ lange bis jemand auf mein Klingeln reagiert. „Sie sind die Frau von der Zeitung?“ Ich hatte ihn mir größer vorgestellt. Vielleicht weil er auf den Pressefotos immer so heroisch wirkt. Jonathan Langston, der Mann der die Finanzwelt über ein halbes Jahr an der Nase herum geführt hat.
Zur Erinnerung: Jonathan Langston trägt seit Januar diesen Jahres den vieldiskutierten Neurochip der Inport Inc. Er empfängt Datenpakete, so genannte CellFeeds, direkt in seinem Gehirn. Im Zuge einer großangelegten PR-Aktion der Firma hat der Absolvent der University of New York über sechs Monate lang mit der Hilfe eines speziellen CellFeeds, das ihm in Echtzeit alle aktuellen Kursentwicklungen übermittelt, an der Börse Investitionen getätigt und durch seinen Erfolg auf eindrucksvolle Weise die neue Technologie demonstriert.
Ich hatte ihn mir größer vorgestellt. Der Mann, der mir die Tür öffnet wirkt eingesunken und müde, auf seinem weißen T-Shirt prangt ein brauner Fleck, seine schwarzen Haare fallen ihm bis tief ins Gesicht, er trägt keine Schuhe. Seine Erscheinung steht in merkwürdigem Kontrast zu dem gepflegten, weißen Haus mit dem großen Garten. Ich könnte ihn mir eher in einem gemütlichen Appartement in Brooklin vorstellen. Während wir durch die Eingangshalle gehen, weist er mich auf den enormen Wert des Hauses hin und erzählt, dass der Fußboden aus importierten italienischen Marmor gefertigt ist. Das Haus war ein Geschenk der Inport Inc. nach seinem großen Coup, als die Medien begannen ihn in seiner alten Wohnung zu belagern. Jetzt umgibt sein Haus eine drei Meter hohe Mauer und er beschäftigt zwei Sicherheitsleute. Auf die Frage ob ihm diese Abschottung nicht zu schaffen macht zuckt er nur mit den Schultern. Wir sitzen im Wohnzimmer. Die Vorhänge sind zugezogen, der Raum wird beherrscht von einem riesigen Plasmafernseher, der während des ganzen Interviews lautlos läuft und einen Nachrichtensender zeigt. Ich frage, ob er nicht schon genug Informationen in seinen Kopf bekommt. Er lacht nervös, bleibt mir jedoch eine Antwort schuldig. Während unseres Gesprächs schweift sein Blick immer wieder durch den Raum, er spricht monoton, fast mechanisch, manchmal habe ich das Gefühl, dass er mich überhaupt nicht wahrnimmt. Plötzlich setzt er sich auf und tippt hektisch etwas in den vor ihm stehenden Laptop. Der Anflug eines Grinsens huscht über sein Gesicht, als er mich mit den Worten „Guter Deal“ über den Computer hinweg anblinzelt. Für einen flüchtigen Moment sitzt der gutaussehende Mann aus den Zeitungen vor mir, dann verschwindet das Glitzern aus seinen Augen und er scheint wieder meilenweit entfernt zu sein. Er schenkt sich ein Glas Whiskey ein, das er in einem Zug lehrt.
Nachdem er diese Prozedur wiederholt hat, wird er zunehmend gesprächiger. Er arbeitet disziplinierter als früher, erzählt er, aber die Geschäfte laufen nicht so gut momentan. Verbitterung klingt aus seiner Stimme, als er von der Ablehnung erzählt, die ihm von seinen ehemaligen Geschäftspartnern entgegen geschlagen ist, nach der Enthüllung der CellFeed-Geschichte. Auch viele private Kontakte hat er verloren in dieser Zeit, unter anderem seine Freundin, die mit der ganzen Geschichte nicht klargekommen ist. Die Inport Inc. hat sich nach dem Juli nicht mehr gemeldet, man verfolge da jetzt andere Interessen, wie er sagt. Unser Gespräch wird mit zunehmenden Alkoholgenuss immer konfuser, er beginnt zu rauchen, spricht von finanziellen Problemen, dann prahlt er mit seinem neuerworbenen Jaguar. Immer wieder unterbricht er. Sein Blick wird starr, er hämmert auf die Tasten seines Laptops. Als er meinen befremdeten Blick bemerkt, sagt er fast entschuldigend: “Ich muss es doch wissen, muss doch reagieren.“ Der Ausdruck in seinen Augen erinnert mich an den eines gehetztes Tieres - plötzlich hat er es eilig unser Treffen zu beenden.
Als ich in die warme Mittagssonne trete, bemerke ich, dass ich zittere und bin froh den Heimweg antreten zu können.
Sonntag
Die Weltherrschaft
Es gibt Regeln, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Hier hat ein kluger Kopf unserer Zeit die wichtigsten Regeln einmal festgehalten:
100 Regeln zur Erringung der Weltherschaft
Die InPort Inc. wird sicher eine ähnliche Liste in der Schreibtischschublade haben, den wenn man die obrige Liste einmal genau betrachtet, wird einem Regel Nr. 100 auffallen:
100.)Um meine Gegner in einer permanenten hirnlosen Trance zu halten, gewähre ich ihnen unbegrenzten Internetzugang.
Wir denken dieser Punkt führt die Liste der InPort Inc. an.
"Borg-Pod" und MTV
Haben wir es uns doch gedacht. Auch andere machen sich Gedanken um die Weltherrschaft.
Doch wir denken, wenn wir nicht aufpassen, werden wir alle von InPort Inc. geschluckt!

Sehr gruselig der "Borg-Pod"!
Aber seinen wir mal ehrlich, weder Apple noch Google bedrohen im Moment so sehr die Existens des einzelnen Individums, wie InPort. Das kann doch nicht gesund sein am Internet angeschlossen zu werden Tag und Nacht Informationsberge, die wie Spam in unserem Hirn endgelagert werden, zu empfangen - völlig ohne Kontrolle...
ps: so lustig wie MTV sehen wir die Zukunft nicht...
Donnerstag
Montag
Jonathan Langston
Hi, vielleicht habt ihr es nicht mitbekommen, aber die Inport Inc. hat tatsächlich bekannt gegeben schon einen Menschen aufgeschnippelt und verdrahtet zu haben. Klingt wie ein schlechter Film, ist aber leider bittere Realität.
Die Firma hat schon Anfang des Jahres demn 24-jährigen Amerikaner Jonathan Langston einen Chip implantiert und an der Börse spekulieren lassen. Da er dort nicht gerade Verluste gemacht hat, nimmt die Firma das als Rechtfertigung ihre CellFeeds als Weltverbesserer hinzustellen. Ich frage nun: Was ist eigentlich positiv daran einen jungen Mann in einen Borg zu verwandeln und mit der Hilfe von irgendwelchen unnachvollziehbaren Spekultionen Geld zu scheffeln? Hat jemand mal über die Menschen nachgedacht, denen dieses Geld jetzt fehlt? Irgendjemanden muss er es ja weggenommen haben, bei diesem netten "Werbegag".
Soll das unsere Zukunft sein?
STOPPT INPORTBLOG.DE!
Ein Anfang
Hier ein youtube Video von Menschen, die sich nicht ganz ernsthaft gemeinte Gedanken über Chips im Hirn gemacht haben. *g*
WEHRT EUCH GEGEN WWW.INPORTBLOG.DE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
WACHT AUF
Hallo Welt,
vielleicht ist es dir nicht aufgefallen, aber du wirst unterwandert. Von einem Feind, der sich so geschickt tarnt, dass niemand die drohende Gefahr zu bemerken scheint. Ich spreche von der Inport Inc, jenem ominösen Konzern, der eine absolut unmenschliche Technologie entwickelt und das Ganze tatsächlich als Innovation zu verkaufen versucht. Ein Chip im Gehirn? Denkt denn niemand über die Folgen nach?
Das Unternehmen präsentiert seine Erfolge unter www.inportblog.de
